Annette Kögel ist Redakteurin des Tagesspiegels und Mitbegründerin des Medienprojektes "Paralympics Zeitung" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und des Tagesspiegels. Sie schreibt hier monatlich einen Blog-Beitrag, der ihre eigene Meinung wiedergibt.

Meine Paralympics - Der Blog mit Annette Kögel

Das Blatt wendet sich

Annette Kögel freut sich über mehr Geld für mehr Gold.
Das Blatt wendet sich
Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit den Athleten bei der Auszeichnung des Silbernen Lorbeerblattes. Foto: Picture Alliance
08. Dezember 2016

Es ist eine kleine Brosche beziehungsweise eine Anstecknadel, und doch ist jeder stolz, der sie bekommt: Am Dienstag verlieh Bundespräsident Joachim Gauck den 124 Medaillengewinnern der Olympischen und Paralympischen Spiele von Rio de Janeiro in Berlin das Silberne Lorbeerblatt - die höchste nationale sportliche Auszeichnung. Viel Lob, viel Ehr’, viel Party: Bereits am Montag feierten die Sportler im Tipi-Zelt am Kanzleramt, da gab es auch die Schecks in Höhe von 20 000 Euro für eine Gold- und 15 000 Euro für eine Silbermedaille sowie 10 000 Euro für Bronze. Die Prämien für Edelmetall liegen bei den Paralympischen und Olympischen Sportlern inzwischen auf dem gleichen Niveau, recht so. "Ich bin sehr dankbar, dass die Prämien angepasst worden sind. Das zeigt die Wertschätzung des Paralympischen (entweder groß wie oben oder alles klein) Sports", befindet auch Weitsprung-Paralympicssieger Markus Rehm.

Solche Zeremonien sind aber auch immer ein Anlass des Appells. Und so rufe ich von meinem Zuschauerplatz auf dem Rang allen nur zu: Im Bundestag wird überlegt, die Jahresförderung aus dem Innenministerium für die Stärkung des paralympischen Nationalkaders von 3,2 Millionen um künftig 1,5 Millionen aufzustocken? Was für ein tolles Signal das wäre, stünden 40 Prozent mehr für Trainingsgerät, Trainerhonorare und die Reisen zu den Europa- und Weltmeisterschaften bereit.

Im Behindertenleistungssport werden schon sieben hauptamtliche Bundestrainer sowie 19 Trainer an paralympischen Stützpunkten von Bund, Ländern sowie Drittmittelgebern finanziert. Es fehlen aber noch Trainer, denn was viel Geld und Energie kostet, ist doch die Sichtung und die Förderung nachkommender Talente. In Rio hat sich gerade gezeigt, wo Spitzensportler geboren werden: dort, wo Behinderte und Nichtbehinderte zusammen trainieren, wie etwa in Leverkusen.

Um so etwas auch in anderen Sportarten zu befördern, sollten herkömmliche Vereine Geld für die Handicap-Athletenförderung bekommen. Schön zu hören, dass sich bei der Top-Team-Förderung neben einigen bereits bekannten Unternehmen auch andere verdient machen. Und noch mehr Unternehmen zeigen Interesse? Frisch voran! Wie Förderung lokal gehen kann, zeigte jüngst die Kampagne "Ungehindert de Janeiro" des Behinderten-Sportverbandes Berlin und des Vereins Berliner Wirtschaftsgespräche - auch der gebührte ein Lorbeerblatt.