Annette Kögel ist Redakteurin des Tagesspiegels und Mitbegründerin des Medienprojektes "Paralympics Zeitung" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und des Tagesspiegels. Sie schreibt hier monatlich einen Blog-Beitrag, der ihre eigene Meinung wiedergibt.

Meine Paralympics - Der Blog mit Annette Kögel

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Annette Kögel ist dagegen, Generationen von Athleten zu bestrafen.
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Das Maracanã-Stadion bei der Eröffnung der Paralympischen Spiele 2016 in Rio. Foto: Picture Alliance
10. Oktober 2016

Die aktuellen Paralympischen Spiele sollen immer die besten Spiele jemals gewesen sein, versprechen die Veranstalter vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC). Was die Begeisterungsfähigkeit der Brasilianer angeht, lag das IPC nicht falsch, das Publikum machte, anders als bei Olympia selbst, für die Gegner Stimmung. Obwohl mir der Anblick der teils leeren oberen Ränge im Olympiastadion in der Seele wehtat. In Peking 2008 und London 2012 war die Arena regelmäßig mit mindestens 80 000 Leuten gefüllt.

Vielleicht erklären sich die teils leeren Ränge ja auch dadurch, dass die russische Fangemeinde dem schwülen Rio die kalte Schulter zeigte, nach dem Komplettausschluss der Russen durchs IPC. Das war ja ein richtiger Schritt im Sinne sauberer Paralympics. Staatsdoping geht nicht. Beleidigt und zugleich die eigenen Athleten wertschätzend, ehrte der russische Staatspräsident Wladimir Putin alle Verstoßenen mit einer alternativen paralympischen Sportveranstaltung.

Sport und Politik lassen sich eben schwerlich trennen, auch wenn der organisierte Sport das gern so hätte. Durch den Ausschluss der russischen Sportler hatten die Paralympics von Rio ihre politische Komponente. Dazu gehört auch, dass der weißrussische Athlet Andrej Fomotschkin als Dank für seinen Fahnenprotest bei der Eröffnungsfeier in Rio nun eine Neubauwohnung in Moskau geschenkt bekommen hat. Fomotschkin war aus Solidarität mit Russland mit einer russischen Fahne ins Maracana-Stadion eingezogen. Das IPC hatte ihn daraufhin von den Wettbewerben ausgeschlossen. Ein großzügiger Spender belohnte Fomotschkin jetzt für seinen Mut, teilte Sprecherin Maria Sacharowa vom Außenministerium über die russische Presseagentur Tass mit.

Und natürlich ist das Thema Doping mit dem Ende der Spiele noch lange nicht vom Tisch. Nachdem russische Behindertensportler gegen den Ausschluss Klage eingereicht haben, hat nun wiederum das Internationale Paralympische Komitee in einem Brief an Russland die Rücknahme dieser Klagen gefordert. "Wir sagen, so lange unsere Entscheidungen nicht gerichtsfest sind, können wir nicht unsere Kriterien zur Aufhebung der Suspendierung festlegen", sagte IPC-Sprecherin Eva Werthmann gerade der Deutschen Presse-Agentur.

In Moskau wiederum kritisierte Pawel Roschkow, der Vizepräsident des Russischen Paralympischen Komitees, das IPC. Denn schon im Oktober laufe die Voranmeldefrist zu den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea 2018 ab. "Wir brauchen verbindliche Kriterien vom IPC, anhand derer wir uns vorbereiten könnten. Aber bislang schicken sie uns nur völlig unverständliche Forderungen und wollen auch, dass wir die Gerichtsverfahren einstellen", sagte Pawel Roschkow der "Tass".

Geht das so nun endlos hin und her? Und dürfen wirklich Generationen von Athleten eines Landes gleich von mehreren Spielen hintereinander ausgeschlossen werden? Nach der Sperre der russischen Sportler für Rio sollten das Land und das Team eigentlich geläutert und gewarnt sein. Aber geht es in Sachen Doping wirklich nur um russische Verfehlungen? Wie verhält es sich etwa mit dem Medaillenmagnaten China? Oder mit dem Gastgeber Brasilien, der vor den Spielen Dopingtests offiziell untersagte? Auch diese Fragen müssen im Sinne sauberer Paralympics gestellt und beantwortet werden.