Annette Kögel ist Redakteurin des Tagesspiegels und Mitbegründerin des Medienprojektes "Paralympics Zeitung" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und des Tagesspiegels. Sie schreibt hier monatlich einen Blog-Beitrag, der ihre eigene Meinung wiedergibt.

Meine Paralympics - Der Blog mit Annette Kögel

Einarmig aufs Surfbrett

Annette Kögel hatte beim Surfen immer Glück, Bethany Hamilton nicht.
Einarmig aufs Surfbrett
Foto: picture alliance
15. Mai 2020

Ich lag in den tosenden Wellen vor Hawaii, auf Maui, vorm Urlauberstrand Kahului, und ich wusste, es sind garantiert Haie unter mir. Also mit den schwarzen Neoprenbeinen nicht so doll unter Wasser treten und schnell per Wasserstart aufs Brett. Ich wollte nicht mit einer Robbe verwechselt werden.

Bethany Hamilton hatte nicht das Glück, unbeschadet wieder an den Strand zu kommen. Es war am 31. Oktober 2003, das Meer bäumte sich früh noch windstill zu Wellensets auf, da ging das Mädchen zum Surfen am Tunnels Beach auf Kauai. Gegen kurz vor sieben Uhr veränderte sich ihr Leben, sie wurde auf ihrem Board liegend von einem etwa drei Meter langen Tigerhai angegriffen. Er trennte ihr den linken Arm knapp unterhalb der Schulter ab. Ihre Freunde, auch Surferin Alana Blanchard, halfen ihr dabei, zurück zum Strand zu paddeln. Mit der Surfbrettleine wurde der Armstumpf abgebunden - auch das rettete der damals 13-Jährigen das Leben.

Vier Wochen nach dem Unglück fing Bethany Hamilton wieder an mit dem Training, dank eines maßgeschneiderten Boards. Die motivierende Geschichte der heute zweifachen Mutter und gläubigen Christin erzählt ein Kinofilm. Und jetzt, am Sonntag, macht die International Ocean Film Tour, immer auch begleitet von Umweltaktivisten, Station in der Urania in Berlin und woanders in Deutschland: Atemberaubende Aufnahmen, auch von Tracy Edwards und der weiblichen Crew der Maiden, 1989 beim Whitbread Round the World Race. Oder von Mike deGruy, erfolgreicher Unterwasserfotograf und Kämpfer für den Schutz der Ozeane.

Paralympioniken mit fehlenden Gliedmaßen kämpfen vom 4. bis 8. März in Vancouver um die Qualifikation für die Paralympics in Tokio. So auch die deutsche Rollstuhlrugbymannschaft, die allerdings als Außenseiter ins Rennen um die Paralympics-Tickets geht. Allerdings gibt es einen neuen Angreifer: Corona. Viel undurchschaubarer als ein Hai. Wegen des Virus hat das Team aus Thailand abgesagt. Das ist öfter nicht gerecht - gerade in der Vorbereitung. Und ob es Paralympics und Olympia wohl so beseelend geben wird wie sonst immer?

Annette Kögel