Weltrekordhalter Floors möchte WM-Titel verteidigen
Johannes Floors hat in dieser Saison seinen Weltrekord über 400 Meter unterboten und reist mit starken Vorleistungen zur Para Leichtathletik-WM im indischen Neu-Delhi. Nach Silber bei den Paralympics in Paris 2024 ist der 30-Jährige wieder der Top-Favorit. Das ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass der Leverkusener zusätzlich zum Training noch arbeitet und studiert.
Achtmaliger Weltmeister ist Johannes Floors, mit Weltrekorden über die 100, 200 und 400 Metern bei den doppelt unterschenkelamputierten Sprintern der Klasse T62 darf er sich „Fastest Man On No Legs“ nennen, der schnellste Mann ohne Beine. In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi möchte er am 5. Oktober seinen Weltmeistertitel über die 400 Meter verteidigen, so wie er es nach dem Premieren-Sieg in London 2017 auch in Dubai 2019 (mit Weltrekord), in Paris 2023 oder in Kobe 2024 gemacht hat (einen Vorbericht zur Para Leichtathletik-WM in Neu-Delhi gibt es hier). Neben der Titelverteidigung möchte Floors „die guten konstanten Leistungen aus der Saison auf die Bahn bringen.“
Die Vorzeichen für Floors, der in Steyerberg in Niedersachsen aufgewachsen ist und für den TSV Bayer 04 Leverkusen startet, stehen gut. So verbesserte er diese Saison seinen drei Jahre alten Weltrekord über 200 Meter auf 20,29 Sekunden und unterbot dann im belgischen Oordegem auch seinen Weltrekord von der WM 2019 in Dubai über 400 Meter um gut eine halbe Sekunde auf 45,26 Sekunden. Auch die 100 Meter – hier steht sein Weltrekord von 2019 bei 10,54 Sekunden – sprintete er in 10,60 Sekunden, mit unzulässigem Rückenwind sogar 10,52 und 10,53 Sekunden. „Seine Vorleistungen überzeugen mich massiv“, schwärmt Bundestrainerin Marion Peters und Floors, der tagtäglich mit Trainer Erik Schneider in Leverkusen arbeitet, sagt: „Die Form ist da. Ich habe gut trainiert – trotz Dreifachbelastung.“
Training, Studium, Arbeit: So ist die Woche des 30-Jährigen gut gefüllt. Zudem studiert der Maschinenbau-Ingenieur, der auch eine abgeschlossene Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechaniker hat, an der Rheinischen Hochschule in Köln im Master Technical Management mit Schwerpunkt Produktentwicklung. „Es ist genügend Zeit für alles“, sagt Floors und grinst – und es ist unklar, ob er das ernst meint.
Menschen mit Amputation beibringen, mit Sportprothese zu laufen: „Das ist das Beste der Welt, das macht so viel Spaß“
Für seinen Arbeitgeber Ottobock ist er mehrmals im Jahr auch bei sogenannten Running Clinics, bei denen amputierte Menschen lernen, mit einer Sportprothese zu laufen. „Das ist das Beste der Welt, das macht so viel Spaß“, sagt Floors, der die Teilnehmenden bei ihren ersten Schritten begleitet: „Wir haben eine geile Zeit mit Leuten, die Bock haben, sich zu bewegen, die bereit sind, zu lernen und sich Herausforderungen zu stellen.“
Die Vorfreude auf die WM in Indien ist groß: „Ich hoffe, dass wir ein paar Zuschauer haben.“ Am 29. September ist am deutschen Nachmittag sein Vorlauf über 100 Meter, am 30. September das Finale, am 5. Oktober dann der 400-Meter-Endlauf. Über 100 Meter hält Floors den Weltrekord seit 2019, zuletzt war er in Paris bei den Paralympics Vierter. Es ist immer eine enge Geschichte, wenn er gegen die einseitig unterschenkelamputierten Sprinter wie Felix Streng sprintet – und ein spannender Showdown ebenso.
Über die 400 Meter will Floors den Titel verteidigen, nachdem er in Paris bei den Sommerspielen erstmals seit 2017 über die Stadionrunde nicht gewonnen hatte, sondern Hunter Woodhall den Vortritt lassen musste und Silber holte. Der US-Amerikaner steht nicht auf der Meldeliste für die WM, obwohl er jüngst bei der olympischen Leichtathletik-WM in Tokio noch in einem Einlagelauf dabei war. „Meine Erwartungshaltung ist, dass er da ist, aber ich glaube, sie wird enttäuscht“, sagt Floors über die mögliche Revanche.
In jedem Fall freue er sich, in Neu-Delhi „über die 400 Meter zu laufen“. Ob es dann wieder so schnell wird wie in Oordegem? „Wenn ich es noch mal machen könnte, würde ich es tun“, sagt Floors und grinst wieder, um dann noch ein Lob an den belgischen Veranstalter hinterherzuschieben: „Es war ein Wettkampf mit guten Bedingungen. Es spielt dort keine Rolle, ob man eine Prothese trägt.“
Text: Nico Feißt / DBS
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