DOSB - Olympiamannschaft

Bühne

WM Michael Teuber und Kerstin Brachtendorf © Oliver Kremer, sports

Zwei Zeitfahrmedaillen für Teuber und Brachtendorf

Kerstin Brachtendorf jubelte in der Vormittags-Session des zweiten Wettkampftages über die erste deutsche Einzelmedaille der Para Radsport-Weltmeisterschaft in Emmen. Sie gewann Bronze im Zeitfahren der Klasse C5. Michael Teuber gewann etwas später die Silbermedaille (C1).

Bei strahlendem Sonnenschein gingen sämtliche Zeitfahren des Vormittags über zwei Runden eines Rundkurses, die Gesamtdistanz war 20,8 Kilometer. Brachtendorf (BPRSV Cottbus) war anders als die meisten anderen ohne Leistungsmessgerät unterwegs und fuhr eine Zeit von 30:54,89 Minuten. „Ich fahre Zeitfahren nach Gefühl“, sagte die 47-Jährige aus Mendig. „Das hört sich für viele seltsam an und funktioniert auch bei vielen nicht. Mein Gefühl war heute gar nicht gut, ich dachte nur, ich muss immer Druck auf dem Pedal haben, mich auf dem Rad so klein wie möglich machen, und kurbeln, was geht. Umso überraschter war ich über Bronze“, sagt Brachtendorf und fügt an: „Eine Medaille habe ich mir niemals ausgerechnet. Ich bin mehr als zufrieden, es ist die Krönung einer super Straßensaison.“

Im Zeitfahren der Klasse C1 der Männer waren mit Erich Winkler, Pierre Senska und Titelverteidiger Michael Teuber drei Deutsche am Start. Teuber (BSV München) zeigte eine starke Leistung und konnte sogar eine höhere Wattleistung treten als bei seinem Sieg bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio. Doch Aaron Keith (USA), der bisher in der Klasse C2 gestartet war und dort 2014 den WM-Titel im Zeitfahren gewann, wurde unmittelbar vor der Weltmeisterschaft in die Klasse C1 der Fahrer mit größeren Einschränkungen umklassifiziert. Keith stellte die Bestzeit auf, Teuber war mit 30:01,74 Minuten der Zweitschnellste und gewann die Silbermedaille. Erich Winkler (TV Geisenhausen) wurde Siebter, Pierre Senska (BPRSV Cottbus) fuhr auf den achten Rang.

„Mit meiner Leistung bin ich absolut zufrieden“, war Teubers Fazit. „Ich hatte eine tolle Vorbereitung und konnte meine Leistung in vollem Umfang abrufen. Aber es ist schade, wenn im paralympischen Sport Leute einfach umklassifiziert werden und sich den Titel schnappen. Es ist auch ein Fingerzeig Richtung Tokio, denn ich kann nächstes Jahr nicht einfach zehn Watt mehr treten. Ich freue mich über die Silbermedaille, zumal es auch eine wichtige Leistung im Qualifikationsprozess für Tokio ist. Aber es hat einen faden Nachgeschmack, dass die Klassifizierung so einen massiven Einfluss hat.“

Denise Schindler (BPRSV Cottbus) hatte sich in der Klasse C3 der Frauen Medaillenchancen ausgerechnet, doch es war nicht ihr Tag. Die 33-Jährige wurde schließlich Sechste. „Ich bin hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben“, sagte Schindler nach dem Rennen. „Vom Start weg konnte ich nicht die Wattzahl drücken, die ich wollte, und dann kann man auch nicht auf dem Podest landen. Ich weiß, dass ich mehr kann, der Kurs liegt mir, aber konstant 15 Watt weniger summiert sich auf. Der Abstand zum Podium ist nur 30 Sekunden, hätte ich einen besseren Tag gehabt, wäre eine Medaille möglich gewesen.“

Für Maike Hausberger (Postsportverein Trier) war es die erste WM, nachdem die 24-Jährige von Para Leichtathletik und Para Triathlon nun zum Para Radsport gewechselt war. Hausberger trat in der Klasse C2 der Frauen an und fuhr nur knapp am Podium vorbei, nachdem ihr auf der zweiten Runde ein Schaltfehler unterlief. „Mir war die Hand eingeschlafen, und ich habe die Schaltung nicht mehr gespürt. Auf der Auffahrt auf die Schnellstraße habe ich dann noch leichter geschaltet und hatte bergab eine sehr hohe Trittfrequenz. Ich musste mich zur Seite lehnen, so dass ich die Schaltknöpfe sehe, dann wieder hochschalten, das kostete Zeit.“

Am Nachmittag geht es weiter mit den weiteren Zweiradklassen sowie den Tandems; für Deutschland starten Tim Kleinwächter und Peter Renner auf dem Tandem, Tobias Vetter in der Klasse C4 sowie Steffen Warias und Matthias Schindler in der Klasse C3.

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