Paralympics

Bronze in ihrer „Hassliebe“ Zweite Medaille für Verena Schott

Die 31 Jahre alte Schwimmerin zeigte ein bärenstarkes Rennen: Nach 2:59,09 Minuten schlug Schott im Ziel an.
Bronze in ihrer „Hassliebe“ Zweite Medaille für Verena Schott
Foto: © Florian Schwarzbach / DBS
28. August 2021

Nach ihrer Bronzemedaille über die 200 Meter Lagen am Donnerstag schlug Verena Schott am Samstag erneut zu: In 1:43,61 Minuten sicherte sie sich in einem äußerst engen Rennen den dritten Platz über die 100 Meter Brust und damit Bronze in ihrer „Hassliebe“.

„Ich habe auf den letzten 25 Metern die Italienerin in meinem Windschatten und vor mir Grace gesehen. Da habe mir gedacht: ‚Ne, ne, ne - das darf nicht sein!‘“, schilderte Verena Schott den unfassbar spannenden Endspurt über 100 Meter Brust, bei dem es zu einem Dreikampf um Bronze kam: Schott, die angesprochene Arianna Talamona und die Chinesin Lingling Song lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen – mit dem besseren Ende für die Deutsche. Nach 1:43,61 Minuten schlug die 31 Jahre alte Schwimmerin vom BPRSV Cottbus im Ziel hinter der Paralympics-Siegerin Yelyzaveta Mereshko aus der Ukraine und der Britin Grace Harvey an. Gerade mal acht Hundertstel betrug Schotts Vorsprung auf Song. Talamona fehlten am Ende 18 Hundertstel auf Rang drei. Auf den letzten Metern habe Schott „versucht, die Frequenz hochzunehmen und richtig schnell zu schwimmen. Dann habe ich gehofft, dass es bis zum Ende reicht.“

Dank Schotts unbändigem Willen reichte dies dann auch. Nach der Silbermedaille über 200 Meter Lagen vom Donnerstag in der Startklasse SM6 ist es bereits das zweite Edelmetall bei den Paralympics in Tokio für die routinierte Para Schwimmerin, die nun schon an den dritten Spielen teilnimmt und nun auf insgesamt drei Medaillen kommt: 2012 gewann sie Silber über die 200 Meter Lagen in London. Das Brustschwimmen macht der amtierenden Weltmeisterin über die 100 Meter Rücken eigentlich nicht so viel Spaß: „Das muss ich leider gestehen: Brust ist meine Hassliebe“, sagte Schott und lachte dabei. „Wenn man‘s kann, dann macht man‘s gerne“, schob sie hinterher und musste erneut auflachen. Zwei Final-Teilnahmen in Tokio, zwei Medaillen: Gehen die Spiele in den nächsten Tagen also so erfolgreich für sie weiter? „Es wäre so schön – aber ich glaube nicht“, sagte Schott. Bei zwei Mal Bronze wird es aber wohl nicht bleiben: Wie bereits am Donnerstag wurde die 31 Jahre alte Schwimmerin kurz nach der Medaillen-Zeremonie wieder ins ZDF-Studio in Tokio eingeladen und spekuliert dort auf den nächsten Preis: „Ich hoffe, ich bekomme dann wieder einen Fischi“, rief die heitere Schott beim Verlassen der Mixed Zone und meinte damit das Kugelfisch-Plüschtier, das das ZDF den Gästen beim Besuch überreicht.

Ein Plüschtier hat auch Mira Jeanne Maack immer mit im Aquatics Centre von Tokio: Einen großen Frosch, der am heutigen Samstag in Deutschland-Farben geschmückt war und der 17 Jahre alten Athletin vom Berliner Schwimmteam Glück bringen sollte. Und es hat gewirkt: Über die 200 Meter Lagen schaffte es die Jüngste der deutschen Mannschaft in 3:04,65 Minuten ins Finale. Mit dieser Zeit war die Schülerin zwar nicht ganz zufrieden, nahm damit aber nun schon am zweiten Endlauf in Tokio teil. Dort erreichte sie einen starken sechsten Platz, konnte ihre Vorlaufzeit aber nicht ganz bestätigen und war 13 Hundertstel langsamer. Die Platzierung auf ihrer Nebenstrecke spreche laut Bundestrainerin Ute Schinkitz für sich: Maack überzeugte auch bei ihrem zweiten Auftritt. Was sich zudem im Vergleich zu den 100 Meter Rücken vom Freitag gebessert hat: „Ich war nicht mehr so nervös wie gestern - es hat sich heute wirklich in Grenzen gehalten.“ Für Schinkitz ist Maack nun richtig bei den Paralympics angekommen: „Ihr Hauptrennen kommt erst noch mit den 400 Meter Freistil.“

„Ich war total nervös. Es ging mir sehr an die Nieren, das habe ich total selten vor einem Wettkampf“, gestand Josia Topf nach seinem Paralympics-Debüt über 150 Meter Lagen in der Startklasse SM3. „Das letzte Mal hatte ich das vor dem schriftlichen Mathe-Abi. Ich war also schon ziemlich durch vor dem Wettkampf“, sagte der 18 Jahre alte Mittelfranke. Obwohl es seine paralympische Premiere war, bewies Topf aber, dass mit ihm in Tokio zu rechnen ist: Im Vorlauf verbesserte der gebürtige Erlanger seine persönliche Bestzeit um fast sechs Sekunden und kam nach 3:16,91 im Ziel an. „Das war schon mal ein guter Anfang.“ Nach den ersten 50 Metern war Topf sogar Erster. „Im Rückenschwimmen bin ich sehr stark, da kann ich gut mitschwimmen. Als ich auf Brust dann die ersten paar Meter vorne lag, dachte ich mir, dass da was gehen könnte“, analysierte Topf, der das Brustschwimmen nicht als seine Stärke ansieht, selbstkritisch. Im Finale wollte er sich nochmal steigern, das gelang dem 18-Jährigen zu Beginn recht gut. Gegen Ende baute Topf allerdings etwas ab. „Ich bin gut angegangen und habe alles gegeben - ein bisschen zu viel“, sagte Topf. „Hinten heraus hat mir dann etwas die Luft gefehlt.“ Nach 3:20,35 Minuten war er im Ziel und wurde somit Sechster. Nervös war der Schwimmer der SSG 81 Erlangen allerdings überhaupt nicht mehr: „Der Stöpsel ist nun raus und ich kann endlich entspannt alles geben und zuversichtlich auf meine nächsten Rennen schauen.“ Am Sonntag steht direkt das nächste an: die 50 Meter Rücken.

Auch Justin Kaps feierte am Samstag eine Paralympics-Premiere: Der 19 Jahre alte Athlet vom Berliner Schwimmteam ging bei den 100 Metern Freistil (S10) an den Start und landete in 57,01 Sekunden auf Platz 13. „Ich war ziemlich nervös vor meinem Rennen“, sagte Kaps. Im Becken sei er dann aber komplett fokussiert gewesen und habe sich sehr gut gefühlt. „Die Zeit ist jetzt leider nicht so gut, da bin ich ein bisschen über meiner Bestzeit geblieben. Aber ich konnte Erfahrungen auf einer Nebenstrecke sammeln.“

Gina Böttcher hat ihrem persönlichen Erfahrungsschatz ein weiteres paralympisches Rennen hinzugefügt: Die 20 Jahre alte Schwimmerin vom SC Potsdam kam bei den 150 Meter Lagen (SM4) als Zehnte ins Ziel, brauchte 3:13,51 Minuten für jeweils 50 Meter Rücken, Brust und Freistil. „Ich bin zufrieden, auf jeden Fall. Ich bin mit der Zeit angegangen, die ich wollte. Es war eine Zeit, die ich schon länger nicht mehr geschwommen bin“, sagte Böttcher, die den Einzug in ihr erstes Paralympics-Finale verpasste. Die nächsten Chancen darauf bieten sich ihr noch am Dienstag (50 Meter Brust), am Donnerstag (50 Meter Freistil) und am Freitag (50 Meter Rücken).

Quelle: Patrick Dirrigl