Die deutschen Para Judoka haben Grund zum Feiern: Bei den Europameisterschaften im georgischen Tiflis holten Isabell Thal und Daniel Goral in ihren jeweiligen Startklassen Bronze, während der Drittplatzierte der Paralympics von Paris, Lennart Sass, sich den Europameistertitel erkämpfte.
Nach den Weltmeisterschaften in Astana (Kasachstan) im Mai folgte mit den Europameisterschaften in Georgien jetzt das zweite große internationale Turnier in diesem Jahr, bei dem das deutsche Team bewies, dass es genau dort ist, wo es hingehört: an der Weltspitze.
Besonders freuen dürfte sich der Titelgewinner des Turniers, Lennart Sass, der in der Startklasse J1 unter 81 Kilogramm sein Können unter Beweis stellte. Er verpasste die WM im Frühjahr durch einen Kreuzbandriss, den er sich kurz nach den Paralympischen Spielen von Paris zuzog. Die Zwangspause hatte laut Para Judo-Bundestrainerin Carmen Bruckmann jedoch auch eine positive Seite: „Wir haben die Verletzung als Möglichkeit gesehen, um an verschiedenen Stellschrauben im technischen und taktischen Raum zu drehen, dadurch ist Lennart jetzt stärker als zuvor und hat sich die Medaille absolut verdient“.
Generell zeigte Bruckmann sich wenig überrascht, was die guten Leistungen der deutschen Para Judoka betrifft: „Dass wir gute Chancen auf Medaillen haben, wussten wir von Anfang an. Wir kannten unsere Gegner*innen im Vorfeld und konnten uns dementsprechend gut vorbereiten. Die Freude über die Erfolge mindert das aber natürlich nicht“.
Neben dem frisch gekürten Europameister Lennart Sass durften auch Isabell Thal und Daniel Goral jubeln. Thal, die erst vor wenigen Jahren vom Para Ski Sport zum Para Judo wechselte, habe laut Bruckmann in kürzester Zeit eine enorme Entwicklung hingelegt und „wird sogar noch über die Weltspitze hinauswachsen“. Die sehbehinderte Athletin aus Essen startet seit kurzem in der Gewichtsklasse unter 60 Kilogramm und fühle sich dort pudelwohl. Die zweite deutsche Bronzemedaille gehört dem 25-jährigen Daniel Goral, der das Turnier in der Startklasse J2 bis 95 Kilogramm bestritt. Seinen ersten Gegner, den Spanier Inigo Erboles Lopes, besiegte Goral nach gerade mal 15 Sekunden, musste sich dann jedoch dem aktuell Weltranglistenersten, dem Franzosen Helios Latchoumanaya geschlagen geben.
Insgesamt sei das deutsche Team aber stark aufgestellt: Neben Routiniers wie Ramona Brussig, die in der gleichen Startklasse wie Isabell Thal antritt und zuletzt 2010 den Weltmeistertitel und 2012 Paralympisches Gold gewann, gingen in Tiflis auch die Nachwuchstalente Samuel van Melle und Bela Bel Heinze an den Start. Die 18- und 20-jährigen Sportler haben laut Bruckmann eine erfolgreiche Zukunft vor sich, auch wenn der Einstieg in die großen internationalen Turniere durch die erfahrenere Konkurrenz nicht leicht ist und beide nach ihrem ersten Kampf aus der EM ausschieden. Dafür belegten ihre Teamkolleg*innen Ramona Brussig und Nikolai Kornhass am Ende die Ränge fünf und sieben in ihren Startklassen.