Josia Topf beim Sprung ins Wasser
WM

Para Schwimm-WM: Ein Topf voll Gold

Josia Topf © Ralf Kuckuck / DBS

Josia Topf ist nicht zu stoppen: Über die 50 Meter Freistil gewann der 22-Jährige Gold und damit bereits seine dritte Medaille bei den Para Schwimm-Weltmeisterschaften in Singapur. In einem spannenden Rennen feierte Topf einen Start-Ziel-Sieg und setzte so die Serie des deutschen Teams fort – an jedem Tag gab es bisher eine Medaille. Topfs WM-Titel bedeutete das achte Edelmetall für das deutsche Team. Verena Schott verpasste hingegen als Vierte erneut knapp das Podium, ebenso wie Taliso Engel.

5 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 25. September 2025

„Morgen geht es volle Kanne mit dem Kopf in die Wand rein und dann schauen wir mal, was passiert.“ Das hatte Josia Topf nach seiner Silbermedaille auf den 50 Meter Rücken (S3) am Mittwoch angekündigt – und am Donnerstag genau so durchgezogen: Auf den 50 Meter Freistil (S3) lieferte sich der Erlanger ein extrem enges Rennen mit dem Italiener Gabriele Lorenzo, musste wirklich voll durchziehen – und belohnte sich mit seiner zweiten Goldmedaille in Singapur! „Es war ein unglaubliches Rennen. Ich habe alle Kraft zusammengenommen, die ich hatte – für den Schlusssprint. Und es hat sich zum Glück auch gelohnt“, freute sich Topf im Ziel.

Am Montag war der 22 Jahre alte Jurastudent bereits Weltmeister auf den 150 Meter Lagen geworden (SM3). Auf den 50 Meter Freistil war Topf vom Start weg Erster und konnte seinen Vorsprung über die Zeit retten, schlug nach 42,85 Sekunden mit dem Kopf im Ziel an. Lorenzo folgte 64 Hundertstel hinter dem Deutschen und holte sich Silber. Bronze ging an den Ukrainer Denys Ostapchenko. „Die Konkurrenz ist sehr stark, wir haben nochmal neue Leute in unsere Startklasse bekommen, sehr schnelle Leute. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich so dagegenhalten konnte“, sagte der Erlanger. Topf, der bei den Paralympics in Paris einen kompletten Medaillensatz gewonnen hatte, kommt nun ebenfalls schon auf drei Mal Edelmetall: zwei Mal Gold und ein Mal Silber.

Für Taliso Engel, der auf den 100 Meter Brust (SB13) dominiert und Gold gewonnen hatte, klappte es am Donnerstag im OCBC Aquatic Centre ganz knapp nicht mit Bronze: Der Nürnberger schlug in persönlicher Bestzeit nach 24,21 Sekunden im Ziel als Vierter an – gerade mal 28 Hundertstel hinter dem unter neutraler Flagge startenden Egor Shchitkovskii. Goldmedaillengewinner Oleksii Virchenko aus der Ukraine kam in einem engen Finale nur 0,9 Sekunden vor Engel im Ziel an.

Auf den 100 Meter Brust landete Verena Schott ebenfalls auf Platz vier, nach 1:48,76 Minuten schlug sie an: Der 36 Jahre alten Schwimmerin vom BPRSV fehlten nur 62 Hundertstel auf die Brasilianerin  Laila Suzigan Abate, die sich Bronze sicherte. Zeit für Ärger war im Ziel aber nicht für Schott: Sofort nahm sie in der Bahn neben sich die Goldgewinnerin Grace Harvey aus Großbritannien in den Arm und herzte ihre gute Freundin. „Es gibt kein besseres Gefühl, als mit meiner besten Freundin ein WM-Finale zu schwimmen“, postete die frisch gekürte Weltmeisterin Harvey auf Instagram, zusammen mit einem Bild von sich und Schott im Ziel.

Tanja Scholz, die in Singapur bereits zwei Goldmedaillen gewonnen hatte, konnte auf den 50 Meter Freistil (S4) nicht antreten, war angeschlagen. Gina Böttcher qualifizierte sich auf gleicher Strecke fürs Finale und kam als Siebte nach 43,53 Sekunden ins Ziel. Im Vorlauf war die Potsdamerin ihre Jahresbestleistung geschwommen, schlug nach 43,29 Sekunden an. „Über die Saisonbestzeit heute Morgen freue ich mich, mit der Leistung vom Abend bin ich nicht so zufrieden“, sagte Böttcher nach ihrem Rennen, die sich ein wenig müde fühlte: Seit Montag ist die 24-Jährige jeden Tag bei Wettkämpfen gefordert. Nun hat sie einen Ruhetag, ehe am Samstag die 200 Meter Freistil (S4) anstehen. „Morgen früh wird erst mal ausgeschlafen und vielleicht geht’s in die Stadt – einfach mal Dinge tun, für die ich bislang keine Zeit hatte“, sagte Böttcher.

Für Naomi Maike Schwarz gab es bei ihrem dritten Start in Singapur einen fünften Platz auf den 100 Meter Freistil (S12): Nach 1:03,03 Minuten schlug die Potsdamerin im Ziel an.

Am Freitag steigen nur zwei Deutsche ins Wasser: Mira Jeanne Maack ist auf den 200 Meter Lagen (SM8) gefordert, Josia Topf schwimmt die 200 Meter Freistil (S3).

Weitere Stimmen aus dem deutschen Team:

Gina Böttcher: „Mit der Leistung vom Abend bin ich tatsächlich nicht so zufrieden. Aber es gibt wichtigere Strecken für mich. Ich bin auch ein wenig platt jetzt, bin seit Montag jeden Tag geschwommen. Über die Saisonbestzeit heute Morgen freue ich mich aber. Am Samstag versuche ich dann, bei den 200 Meter Freistil wieder eine Bestzeit zu schwimmen, weil die jetzt schon ein bisschen länger bei mir steht. Morgen früh wird erst mal ausgeschlafen und vielleicht geht’s in die Stadt – einfach mal Dinge tun, für die ich bislang keine Zeit hatte.“

Josia Topf: „Mir geht’s so weit ganz gut. Es war ein unglaubliches Rennen. Ich habe alle Kraft zusammengenommen, die ich hatte – für den Schlusssprint. Und es hat sich zum Glück auch gelohnt. Ich bin einfach nur überglücklich und sehr, sehr dankbar. Ich hab’s auch heute wieder nicht erwartet und so kommen sehen. Ich bin einfach nur stolz, diese Zeit geschwommen zu sein. Da hatte sich länger nichts mehr bewegt. Dass es dann heute so Hand in Hand ging, war einfach unfassbar. Die Konkurrenz ist sehr stark, wir haben nochmal neue Leute in unsere Startklasse bekommen, sehr schnelle Leute. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich so dagegenhalten konnte. Wir haben sehr hart trainiert, dass ich wenige Pausen brauche: Wir haben auch an meiner Atemtechnik gearbeitet, damit meine Zellen schneller regenerieren – und das merke ich auch. Ich habe auch nochmal Dinge in der Ernährung umgestellt, wir sind nochmal etwas präziser hingegangen und haben geschaut: Was braucht mein Körper wirklich? Ich glaube, wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht.“

Text: Patrick Dirrigl / DBS

Weitere Informationen sowie Ergebnisse der Para Schwimm-WM gibt es auf World Para Swimming

Livestreams zur Para Schwimm-WM gibt es auf dem YouTube Kanal Paralympic Games

Deutsche WM-Medaillen im Überblick:
Gold: 
Tanja Scholz (50 Meter Brust, 150 Meter Lagen), Taliso Engel (100 Meter Brust), Josia Topf (150 Meter Lagen, 50 Meter Freistil)
Silber: Josia Topf (50 Meter Rücken)
Bronze: Mira Jeanne Maack (100 Meter Rücken), Gina Böttcher (150 Meter Lagen)

Das deutsche Aufgebot für die Para Schwimm-WM in Singapur:
Gina Böttcher (24 / Brandenburg a. d. Havel / SV Motor Babelsberg), Malte Braunschweig (25 / Berlin / Berliner Schwimmteam), Taliso Engel (23 / Lauf a. d. Pegnitz / TSV Bayer 04 Leverkusen), Philip Hebmüller (18 / Neuss / SG Neuss), Mira Maack (21 / Berlin / Berliner Schwimmteam), Tanja Scholz (41 / Kaltenkirchen / PSV Union Neumünster), Verena Schott (36 / Greifswald / BPRSV), Naomi Maike Schwarz (31 / Yokohama/Japan / SV Motor Babelsberg), Josia Topf (22 / Erlangen / BPRSV), Maurice Wetekam (19 / Dortmund / TSV Bayer 04 Leverkusen)