Gina Böttcher am Schwimmen
WM

Para Schwimmen: Jubel über fünf WM-Titel und fünf weitere Medaillen

Gina Böttcher © Ralf Kuckuck / DBS

Mit zehn WM-Medaillen im Gepäck geht's für die deutschen Para Schwimmer*innen zurück in die Heimat. Am letzten Wettkampftag der Weltmeisterschaften in Singapur zeigte das Team von Ute Schinkitz reihenweise starke Leistungen und sorgte trotz anstrengender Tage in Südostasien für Jahresbestzeiten am Fließband. Auch Medaillen gab's zum krönenden Abschluss: Gina Böttcher sicherte sich über 200 Meter Freistil mit Silber ihr zweites Edelmetall, auch Josia Topf jubelte über Bronze und gewann damit seine vierte Medaille.

4 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 27. September 2025

Gina Böttcher und Mira Larionova boten sich über 200 Meter Freistil in der Startklasse S4 ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz, doch die Potsdamerin kam letzten Endes mit einer halben Sekunde Vorsprung ins Ziel (3:08,01 Minuten). Gold ging an die US-Amerikanerin Katie Kubiak. „Es freut mich, dass ich umsetzen konnte, was wir uns vorgenommen hatten. Dass es mit Silber belohnt wurde, ist umso besser“, sagte Böttcher nach ihrem Rennen.

Josia Topf komplettierte zudem am Samstag seinen persönlichen Medaillensatz: Nach zwei Gold- und einer Silbermedaille holte sich der Erlanger am Samstag auf den 100 Meter Freistil nun auch noch eine Bronzemedaille. „Es gab im Rennen Momente, in denen ich aufgeben wollte und Momente, in denen ich mir dachte, dass das auf keinen Fall passieren darf“, sagte der 22 Jahre alte Jurastudent und merkte an: „Der Lauf war mit der härteste bei der ganzen WM.“ Topf kam eine halbe Sekunde hinter dem Ukrainer Denys Ostapchenko (Silber), aber dafür 74 Hundertstel vor dem Türken Umut Unlu im Ziel an. Nach 1:38,79 Minuten schlug der Deutsche an. Gold schnappte sich der Italiener Lorenzo Gabriele. Ein spannender Dreikampf also, mit besserem Ende für Ostapchenko sowie Topf.

Ein vergleichbar enges Rennen lieferte sich Taliso Engel auf den 200 Meter Lagen (SM13) mit dem unter neutraler Flagge gestarteten Timofei Guk um Platz drei - mit dem um 0,2 Sekunden besseren Ende für Guk, der sich so Bronze sicherte. Engel, der im OCBC Aquatic Centre God auf den 100 Meter Brust in Weltrekordzeit gewann, schlug am Samstag nach 2:11,67 Minuten im Ziel an. Damit unterbot der Nürnberger seine Jahresbestzeit aus dem Vorlauf nochmals um fast fünf Sekunden – und schwamm sogar deutschen Rekord. „Mit der Zeit kann ich an sich sehr zufrieden sein. Ich ärgere mich grade sehr über den vierten Platz, vor allem, weil es so knapp war. Es ging aber einfach nicht mehr, der Saft war leer“, sagte Engel. Im gleichen Endlauf schwamm Philip Hebmüller, der am Ende Achter in 2:20,61 Minuten wurde. Auch das ist eine Steigerung zum Vorlauf beim 18 Jahre alten Schwimmer der SG Neuss.

Für Verena Schott gab es zum Schluss ebenfalls eine Jahresbestzeit: Die Schwimmerin vom BPRSV wurde nach 39,80 Sekunden Sechste auf den 50 Meter Schmetterling S4. „Ich bin einfach mal glücklich, dass es nicht der vierte Platz ist“, sagte Schott lachend, die in Singapur drei Mal auf ebenjenem Rang ins Ziel kam.

An den sieben Wettkampftagen hat das deutsche Team in Singapur insgesamt zehn Medaillen gewonnen: fünf Mal Gold, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze – das bedeutet Platz zehn im Medaillenspiegel (siehe Übersicht unten). Zudem gab es noch neun vierte Plätze für die deutsche Para Schwimm-Nationalmannschaft bei insgesamt 30 Finalteilnahmen.


Weitere Stimmen aus dem deutschen Team:

Gina Böttcher: „Ich bin sehr, sehr zufrieden. Ich wusste, dass ich gut drauf bin im Freistil. Ich habe auf heute gesetzt und gehofft, dass es klappt. Es freut mich, dass ich umsetzen konnte, was wir uns vorgenommen hatten. Dass es mit Silber belohnt wurde, ist umso besser. Ich mag die 200 Meter Kraul: Sie sind nicht zu kurz und nicht zu lang – auf längeren Strecken bin ich sogar ein wenig besser. Ich würde mich also sehr freuen, wenn die 200 Meter in Zukunft paralympisch werden würden.“

Josia Topf: „Der Lauf war mit der härteste bei der ganzen WM. Ich wusste, ich muss hart angehen und noch schneller beenden. Ich hab’s zum Glück hinbekommen, war mir aber nicht sicher, ob es klappt. Es gab im Rennen Momente, in denen ich aufgeben wollte und Momente, in denen ich mir dachte, dass das auf keinen Fall passieren darf. Mein türkischer Konkurrent wollte immer näher an mich heran, ich habe gemerkt, dass die letzten 25 Meter die entscheidenden werden. Daher bin ich überglücklich, dass es passiert ist, wie es passiert ist."

Verena Schott: „Das war zum Ende hin nochmal richtig interessant, so einen Start hatte ich noch nie. So richtig wissen wir noch gar nicht, was da los war: Der Schiedsrichter hatte uns wieder heruntergeholt – alle waren erst mal verwundert. Dann sollten wir wieder hoch gehen und es war mega laut. Insgesamt bin ich nach den vielen Starts einfach mal glücklich, dass es nicht schon wieder der vierte Platz geworden ist – und das es jetzt vorbei ist.“

Taliso Engel: „Mit der Zeit kann ich an sich sehr zufrieden sein. Es war eine deutliche Bestzeit. Ich ärgere mich grade sehr über den vierten Platz, vor allem, weil es so knapp war. Es ging einfach nicht mehr, der Saft war leer. Auf den letzten zehn Metern habe ich nochmal alles reingeschmissen, aber mehr war nicht drin.“

Weitere Informationen sowie Ergebnisse der Para Schwimm-WM gibt es auf World Para Swimming


Text: Patrick Dirrigl / DBS

Deutsche WM-Medaillen im Überblick:
Gold: Tanja Scholz (50 Meter Brust, 150 Meter Lagen), Taliso Engel (100 Meter Brust), Josia Topf (150 Meter Lagen, 50 Meter Freistil)
Silber: Josia Topf (50 Meter Rücken), Gina Böttcher (200 Meter Freistil)
Bronze: Mira Jeanne Maack (100 Meter Rücken), Gina Böttcher (150 Meter Lagen), Josia Topf (100 Meter Freistil)

Das deutsche Aufgebot für die Para Schwimm-WM in Singapur:

Gina Böttcher (24 / Brandenburg a. d. Havel / SV Motor Babelsberg), Malte Braunschweig (25 / Berlin / Berliner Schwimmteam), Taliso Engel (23 / Lauf a. d. Pegnitz / TSV Bayer 04 Leverkusen), Philip Hebmüller (18 / Neuss / SG Neuss), Mira Maack (21 / Berlin / Berliner Schwimmteam), Tanja Scholz (41 / Kaltenkirchen / PSV Union Neumünster), Verena Schott (36 / Greifswald / BPRSV), Naomi Maike Schwarz (31 / Yokohama/Japan / SV Motor Babelsberg), Josia Topf (22 / Erlangen / BPRSV), Maurice Wetekam (19 / Dortmund / TSV Bayer 04 Leverkusen)