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Para Ski nordisch: Kazmaier mit fast perfektem Weltcup

Die deutschen Para Skilangläuferinnen erleben beim Weltcup-Auftakt in Toblach (Italien) fast perfekte Tage. Linn Kazmaier (SZ Römerstein) glänzt mit drei Siegen aus vier Rennen. Bei den Männern sorgt Marco Maier für einen Überraschungserfolg - eine Disqualifikation für kurzfristige Missstimmung im Team.
Para Ski nordisch: Kazmaier mit fast perfektem Weltcup
Nico Messinger mit Guide Michael Huhn Foto: © newspower_it
29. Januar 2024

Sieben Sekunden fehlten Linn Kazmaier und ihrem Guide Florian Baumann nach zehn Kilometern im freien Stil zu einem Quartett der besonderen Art. Dreimal war das Duo zuvor beim Weltcup-Auftakt an den Start gegangen, dreimal hatte es gewonnen. Dieses Mal gewann eine andere, die Tschechin Simona Bubenickova und ihr Guide David Srutek, mit eben jenen sieben Sekunden Vorsprung. Bubenickova, das hatten bereits die ersten Eindrücke gezeigt, dürfte in Zukunft noch öfter in der Mitte des Siegertreppchens stehen. Die Weltcup-Debütantin, Jahrgang 2008, bringt ein riesiges Potenzial mit. Für Leonie Walter (SC St. Peter, mit Guide Christian Krasman), in Toblach dreimal Zweite und einmal Dritte, und Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland, mit Guide Pirmin Strecker), zweimal Rang vier und einmal Rang fünf, ist die Ankunft der Neuen im Konkurrenzkampf eine Extramotivation.

Einen deutschen Weltcup-Sieg gab es zum Abschluss dennoch. Marco Maier (SV Kirchzarten), eigentlich eher ein Spezialist für die kürzeren Distanzen, gewann bei den Männern stehend in 26:52.9 Minuten vor Serhii Romaniuk (Ukraine, 26:59.2 Minuten) und Witold Skupien (Polen, 27:02.2 Minuten). „Ich wollte es heute allen beweisen“, sagte der 24-jährige Allgäuer und verhehlte nicht, dass er mit einer gewissen Portion Frust an den Start gegangen war.

Das hing mit dem Sprint-Rennen zusammen, nach dem Maier zunächst ebenfalls gejubelt hatte, dann jedoch disqualifiziert wurde – wegen einer angeblichen Behinderung des Kanadiers Mark Arendz bei einem Überholmanöver, in dessen indirekter Folge der Konkurrent stürzte. Maier selbst sprach von einer „unglücklichen Situation“, Ralf Rombach von einer „Fifty-Fifty-Entscheidung“ und einer „sehr strikten Regelauslegung“ durch die Jury. „Im Sprint geht es immer knapp zu. Wenn Mark nicht stürzt, spricht hinterher niemand von einer Behinderung. “Der Sieg: Eine Genugtuung für Maier. „Ich bin es schnell angegangen und konnte dann mein Tempo gut halten. Es ging hin und her mit Serhii und Witold. Mal war einer von ihnen ein paar Sekunden vorne, dann ich wieder“, berichtete er. „Es hat großen Spaß gemacht.“

Großen Spaß hatte auch Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg), der bei den Männern mit Sehbeeinträchtigten über die zehn Kilometer nach guter Renneinteilung Dritter wurde (hinter Jake Adicoff, USA, und Oleksandr Kazik, Ukraine) und den Sprint mit Michael Huhn als Guide (Ersatz für den verhinderten Robin Wunderle) gewann. Dabei wehrte er die Angriffe des aktuellen Sprint-Weltmeisters Adicoff nerven- und laufstark ab und rettete letztlich 0,54 Sekunden ins Ziel.

Messinger darf in Sachen körperlicher Verfassung ein gutes Gefühl aus Toblach mitnehmen. Gleiches gilt für Anja Wicker. Sie lief bei den Frauen sitzend in vier Rennen viermal aufs Podium – neben einem zweiten Platz stehen gleich drei dritte Plätze zu Buche. Die 32-Jährige vom MTV Stuttgart musste sich über zehn Kilometer sowie über fünf Kilometer zwar Oksana Masters und Kendall Gretsch geschlagen geben, rückte dem Duo aus den USA aber mächtig auf die Pelle und ließ im Sprint Gretsch hinter sich. „Meine Laufform passt. Das Podium aufzumischen, tut gut", sagte sie. Oksana Masters, die verletzungsbedingt letztmalig im März 2022 bei den Paralympics in Peking einen Wettkampf bestritten hatte, feierte ein fulminantes Comeback und holte viermal Gold.
Wickers Teamgefährtinnen Andrea Eskau (USC Magdeburg) und Merle Menje (StTV Singen) sammelten ebenfalls positive Ergebnisse. Eskau wurde dreimal Vierte und einmal Fünfte. Menje überzeugte im Sprint mit Platz vier. „Das war mit eine ihrer besten Langlauf-Leistungen bisher“, lobte Ralf Rombach.

Bei den Männern stehend holte Alexander Ehler (SV Kirchzarten) mit Platz vor den Paralympicssiegern Benjamin Daviet (Frankreich) und Grygorii Vovchynskyi (Ukrainer) sein bestes Ergebnis in Toblach. Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) musste geschwächt von einer Erkältung aufgeben. Gar nicht an den Start gingen Maximilian Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) und Sebastian Marburger (SK Wunderthausen). Weidner zog sich nach Rang sieben und acht in den Zehn-Kilometer-Klassisch-Rennen bei einem Trainingssturz eine Kapselverletzung am Ellenbogen zu und reiste ab. Marburger konzentriert sich auf die Wettkämpfe im klassischen Stil. Im Einzel wurde er Neunter, beim Massenstart Sechster.

Bei den Männern mit Sehbeeinträchtigung wurde der deutsche Nachwuchsmann Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) zweimal Zehnter.

Der Zeitplan für Martell:
Mittwoch 31. Januar: Langlauf-Sprint, 0,8 km für sitzende Klasse, 1,2 km für stehende Klassen, klassisch
Donnerstag, 1. Februar: Biathlon Sprint (7,5 km)
Samstag, 3. Februar: Biathlon Verfolgungsrennen (2,4 km für sitzende Klasse, 3,6 km für stehende Klassen)
Sonntag, 4. Februar: Biathlon Einzelrennen (10 km)

Weitere Informationen zum Weltcup in Toblach

Text: Benjamin Schieler / Nordic Paraski Team Deutschland