Die beiden deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaften haben sich in Rio bestens akklimatisiert. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm bei den ersten Trainingseinheiten in der Rio Olympic Arena und der Carioca 1 Arena. Doch mit einem 71:61-Testspielerfolg gegen Medaillenkandidat USA bei den Damen und einem 69:29-Kantersieg gegen den dreimaligen Paralympicssieger Kanada bei den Herren, zeigen sich beide Teams am Zuckerhut bereits in bester Verfassung.
„Man hat im Vorfeld so viel Negatives über Rio gehört, über das Dorf und so. Aber ich finde, es ist gar nicht so schlimm. Nur dass ich so lange von zu Hause weg bin, ist nicht so schön“, sagt Carolin Schnarre. Die 24-jährige Osnabrückerin ist das Nesthäkchen im Team der deutschen Dressurreiter. Und ihre Worte verdeutlichen etwas, was sich aktuell durch viele Nationen zu ziehen scheint: einen Generationenwechsel. Nicht zuletzt seit Goldhoffnung Hannelore Brenner wenige Tag vor der geplanten Abreise von ihrer angestrebten fünften Paralympics-Teilnahme wegen einer Verletzung ihres Pferdes Kawango zurücktreten musste, liegen die Hoffnungen auf dem Nachwuchs. Schließlich ist nun mit Steffen Zeibig nur noch ein Reiter mit Paralympics-Erfahrung dabei.
Für Bundestrainer Christoph Müller und sein Schützling Katharina Krüger ist vor dem Auftakt der Rollstuhltennis-Wettkämpfe am Freitag die Sachlage klar. „Auslosung abwarten, das beste Tennis spielen und dann einmal sehen was passiert“, so die 26-jährige Berlinerin mit Blick auf ihre dritten Paralympischen Spiele. Doch einen wichtigen Schritt hat die Rechtshänderin erst am Montag dieser Woche getan, den seitdem ist sie erstmals auf Weltranglistenplatz sieben notiert.
Mit dem größten Teil der deutschen Delegation ist die Para-Tischtennis-Nationalmannschaft bereits am vergangenen Mittwoch in das Abenteuer Rio de Janeiro 2016 gestartet. Mittlerweile haben sich die Tischtennis-Cracks im achten Stock in Haus 17 des Paralympischen Dorfes häuslich eingerichtet und die ersten Trainingseinheiten absolviert. Nun aktivieren sie langsam ihren Wettkampfmodus.
Reno Tiede steht mitten in der Future Arena in Rio de Janeiro. Die Ränge sind leer. Nur seine Teamkollegen der deutschen Goalball-Nationalmannschaft und einige Volunteers befinden sich in der Halle. Es ist die erste und einzige Trainingseinheit in der Arena, in der bei Olympia Deutschlands Handballer Bronze gewannen. Bei den Paralymics kämpfen hier die Goalballer ab dem 8. September um Medaillen. „Das Flair, die Größe – es ist absolut beeindruckend hier. Sonst herrscht bei unseren Spielen ja eher Turnhallen-Feeling, jetzt ist es etwas ganz Besonderes. Das toppt alles. Wir hoffen auf volle Ränge“, berichtet Reno Tiede.
Zugegeben, das Radsport-Paradies Mallorca bietet wahrhaft prachtvolle Trainingsbedingungen. Und auch in Deutschland gibt’s sehenswerte Orte zuhauf, an denen Teams optimal trainieren können. Allerdings kommt es selten vor, dass die deutschen Paracycler an einem derart attraktiven Fleckchen fahren wie Pontal im Westen Rios: kilometerlange Sandstrände, Palmen en masse und südamerikanische Schönheiten allerorten. Für alle diese Annehmlichkeiten haben die deutschen Paracycler in diesen Tagen allerdings wenig Zeit und Muße. Vielmehr bereiten sie sich auf den Straßen der kleinen Halbinsel auf die bevorstehenden Wettbewerbe bei den Paralympischen Sommerspielen vor. Und das bislang „sehr effektiv und sehr zufriedenstellend“, verdeutlicht Teammanager Tobias Engelmann.
Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier ist die Stimmung im kleinen Team der Rollstuhlfechter ausgesprochen gelöst. Nachdem sie sich in den ersten Tagen in Rio de Janeiro eingelebt und die ersten Trainingseinheiten absolviert haben, herrscht bei den beiden Rostockern Simone Briese-Baetke und Balwinder Cheema eine Riesenportion Vorfreude. „Die Atmosphäre unter den Athleten ist bei den Paralympics generell ganz anders, als bei den Olympischen Spielen“, sagt Cheftrainer Sascha Bondar, der bereits als Begleitperson bei den Olympischen Spielen dabei war, und betont: „Alle verstehen sich; die Rollstuhlfechter sind wie eine große Familie.“
Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde gehisst, die deutsche Hymne gesungen und die Schwimmerinnen Elena Krawzow und Maike Naomi Schnittger tanzten ausgelassen zu brasilianischen Rhythmen – die Deutsche Paralympische Mannschaft ist bei der Willkommensfeier gemeinsam mit Kenia und Myanmar im Paralympischen Dorf feierlich begrüßt worden.
"Der zweite Tag in Rio hat bei jedem von uns tiefe Spuren hinterlassen, die weit über die Zeit der Paralympics hinaus bleiben werden", sagt Johannes Günther, Cheftrainer der deutschen Goalball-Nationalmannschaft. Gemeinsam mit DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher und Christina Weise vom Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns" besuchten Günther und seine Spieler die Kindertagesstätte Santa Clara in der Favela Vidigal, für die sie seit Juni auf eigene Initiative Spenden sammeln. Es war ein prägender Termin mit unglaublichen Eindrücken.
Nur noch wenige Tage bis zum Startschuss der XV. Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Mit dabei die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Herren, die am Donnerstag, den 8. September um 18:00 Uhr Ortszeit (23:00 Uhr MESZ) in der Carioca Arena des Barra Olympic Park ihren Auftakt gegen den Iran feiert sowie die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen, die am Freitag, den 9. September um 15:15 Uhr Ortszeit (20:15 Uhr MESZ) in der Rio Olympic Arena des Barra Olympic Park ihren Auftakt gegen Gastgeber Brasilien feiert.